Die Wahrheit über Stalin

Herausgegeben 1979 von der
Kommunistischen Partei Deutschlands/MarxistenLeninisten

Die Kollektivierung der Landwirtschaft

Sicherheit, Brot und Wohlstand für die Völker der Sowjetunion.

Über die Kollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetunion, die in den dreißiger Jahren - im Rahmen der beiden ersten Fünfjahrpläne - durchgeführt wurde, sind schon die unglaublichsten Dinge und Gerüchte verbreitet worden.

Man hört: Da wurden die Bauern massenweise in die Kollektivwirtschaften gezwungen, und danach hungerte ganz Rußland. So ungefähr die Darstellung. Wenn sich Autoren entsprechender Werke einen Anstrich von Objektivität geben wollen, fügen sie oft noch hinzu, dass dies alles zwar ein enormer Fortschritt gewesen sei, aber unter riesigen Opfern der Bevölkerung.

Wie ist es nun damit, was bedeutet denn die Kollektivierung der Landwirtschaft für die Bevölkerung, für die Bauern vor allem, und wie wirkte sie sich aus?

Was bedeutete die Kollektivierung der Landwirtschaft für den einzelnen Bauern? Die kollektivierte Landwirtschaft ist eine Übergangsform vom kleinen bäuerlichen Privatbetrieb zum Gemeineigentum. Der Boden ist verstaatlicht und die wichtigsten Produktionsmittel sind schon Gemeineigentum. Dennoch gibt es auch - je nach der Stufe der Kollektivierung - privates landwirtschaftliches Eigentum. Für den einzelnen Bauern bedeutet dies die Möglichkeit, auf größeren Feldern wesentlich mehr zu produzieren, die Hilfe des Staates zur Mechanisierung zu erhalten, um die Produktion steigern zu können. Er war nicht mehr der Konkurrenz der Großbauern ausgesetzt, die versucht hatten, ihn zu ruinieren.

Das Einkommen der Bauern stieg durch diese Entwicklung stark an. Die Möglichkeiten für gemeinsame kulturelle und soziale Einrichtungen wurden so geschaffen und anderes mehr.

Was bedeutete die Kollektivierung für das ganze Land? Vor allem bedeutet die Kollektivierung der Landwirtschaft die Beseitigung der landwirtschaftlichen Kleinproduktion und ihre Ersetzung durch die Großwirtschaft. Sie bedeutete die Mechanisierung der Landwirtschaft in der Sowjetunion. Ein allgemeiner wirtschaftlicher Aufschwung wurde eingeleitet.

Folgende Zahlen[1] zeigen das:

Die Produktion der wichtigsten Nahrungsmittel
(in Millionen Doppelzentnern)

 

1913

1929

1933

1937

Getreide

801,0

717,4

898,0

1202,9

Rohbaumwolle

7,4

8,6

13,2

25,8

Zuckerrüben

109,0

62,5

90,0

218,6

Ölfrüchte

21,5

35,8

46,0

51,1

Der Bestand an wichtigsten Maschinen
(in Tausend)

 

1930

1933

1937

Mähdrescher

1,7

13,5

128,8

Traktoren

72,1

204,1

 

Lastwagen für die Landwirtschaft

0,2

13,5

144,5

Diese Zahlen sind ein erster Beweis dafür, dass die Kollektivierung der für die Bevölkerung der Sowjetunion positive folgen hatte: es gab mehr - und zwar wesentlich mehr - landwirtschaftliche Produkte, und die Arbeit für die Bauern war leichter geworden.

Die Landwirtschaft war im Jahre 1928 weitgehend auf Handarbeit aufgebaut und innerhalb von zehn Jahren schon überwiegend mechanisiert, in manchen Bereichen völlig.

In der Produktion von Getreide hatte die Sowjetunion, im Vergleich zu anderen Staaten, einen großen Fortschritt erzielt und war in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre zum größten Exporteur von Getreide geworden. Zur selben Zeit, als in der Sowjetunion die Landwirtschaft so gewaltig entwickelte, als die westliche Presse eine große Propagandakampagne gegen die Kollektivierung entfaltete, wurden in den USA und in Frankreich die Anbauflächen um jeweils 8 Prozent verkleinert, wurde in Brasilien die halbe Jahresproduktion von Kaffe ins Meer geschüttet, wurden in den USA Lokomotiven mit Getreide geheizt, weil die Landwirtschaft angeblich zu viel produzierte, die Waren so zu billig geworden wären. Diese landwirtschaftliche Krise in fast allen kapitalistischen Ländern - zur selben Zeit, als in der UdSSR dieser große Umschwung geschah - war denn auch einer der Hauptgründe für die Propagandakampagne gegen die Kollektivierung.

Und die Entwicklung der Kollektivierung ging ganz rapide vor sich. Von der gesamten Zahl der Bauernwirtschaften waren Kollektivwirtschaften im Jahre[2]:

1929: 3,9 Prozent
1930:23,6 Prozent
1931: 52,7 Prozent
1932: 61,5 Prozent
1933:65,6 Prozent
1937: 93,0 Prozent

Wie man also leicht sehen kann, waren die Jahre 1930 und 1931 die Jahre, in denen die kollektivierte Landwirtschaft den Durchbruch erzielte.

Nun erheben sich zwei Fragenkomplexe, auf denen auch die Verleumder Stalins stets herumreiten. Einmal: Warum wurde dieser Prozess der Kollektivierung nicht schon vorher eingeleitet? Hätte man das nicht genauso gut schon Jahre vorher machen können? Ist das nicht ein Beweis für Stalins Unfähigkeit in der Wirtschaftspolitik? Hatte er denn nicht selbst ein oder zwei Jahre vorher, vor dem Beginn der beschleunigten Kollektivierung, noch gesagt, es sei zu früh, damit anzufangen? Zweitens: Wie ging das eigentlich vor sich? War da Zwang? Wer wehrte sich dagegen?

Der Beginn der Bewegung zur Kollektivierung der Landwirtschaft liegt schon kurz nach der Revolution, als die ersten Produktionsgenossenschaften gegründet wurden. Aber eine echte Massenbewegung wurde es erst, nachdem der Fünfjahrplan beschlossen war, und erst recht, als die KPdSU(B) am 5. Januar 1930 den Beschluss gefasst hatte, alle Möglichkeiten zu nutzen und zu schaffen, damit die Kollektivierungsbewegung beschleunigt werde.

Die Voraussetzungen dafür waren: das Anwachsen der Produktion des wichtigsten landwirtschaftlichen Produkts, durch die bäuerlichen Einzelwirtschaften im Vergleich zu der Produktion durch die Wirtschaften der Großbauern (Kulaken genannt), also derjenigen, die noch andere Menschen für sich arbeiten ließen. Im Jahr 1928 gab es 1,2 Millionen Großbauernwirtschaften - rund 5 Prozent aller Höfe - , die rund 18,5 Millionen Menschen beschäftigten, die überwiegend selbst ganz kleine Bauern waren, die sich nicht durch die eigene Produktion halten konnten. Es gab 8,2 Millionen Kleinwirtschaften, rund 30 Prozent der Höfe die sich nicht selbst trugen. Den Großteil der Bauernschaft bildeten die mittleren Bauern, die sich zwar selbst behaupten konnten, aber auch keine anderen Menschen für sich arbeiten lassen konnten, die einen Familienbetrieb hatten. Das waren rund 15 Millionen Höfe, über 60 Prozent von allen, mit 95 Millionen Menschen. Und eben ihre Produktion war gegen Ende der zwanziger Jahre immer mehr angewachsen, so dass sie immer mehr die ganze Bevölkerung ernähren konnten.

War man vorher auf die Produktion der Großbauern angewiesen gewesen, so war das nicht mehr der Fall.

Eine weitere Voraussetzung war, dass bei den mittleren Bauern selbst der Drang nach den Kollektivwirtschaften wuchs und sich durchsetzte - was man im Jahre 1929 feststellen konnte, als die Zahl der mittleren Bauern, die in die Kollektive eintraten, sich von nicht ganz 1 Prozent auf beinahe 5 Prozent erhöht hatte. Der freiwillige Zusammenschluss zum Kollektiv - der die Grundvoraussetzung für die Kollektivierung war, da sich eine Politik des Zwangs von selbst verbot, wollte man nicht die Bauern gegen den Arbeiterstaat aufbringen - brach sich die Bahn, weil die Bauern allmählich die Vorteile der Großwirtschaften erkannten.

Und die dritte Voraussetzung schließlich war, die technischen Möglichkeiten der Großproduktion zu haben. Diese wurden mit dem Fünfjahrplan geschaffen, mit landwirtschaftlichen Großmaschinen, der Errichtung von staatlichen Motoren- und Traktorenstationen (MTS genannt), die zur Verfügung der Kollektivwirtschaften standen, und der Ausbildung Zehntausender von Agrarwissenschaftlern aus der Bauernschaft, die die wissenschaftliche Produktionsweise einführen konnten.

Damit ist klar, dass die Kollektivierung genau zu dem Zeitpunkt beschleunigt wurde, als es möglich war, als die nötigen Voraussetzungen geschaffen waren. Bevölkerungsmäßig teilten sich die Bauern in folgender Weise auf:

„Zwar machte die Kulakenklasse nach der Zählung von 1927 nur 10 Prozent der ganzen Dorfbevölkerung aus. Aber in ihrer Hand befanden sich 35 bis 45 Prozent aller Produktionsmittel und 30 bis 40 Prozent allen Arbeitsviehs! 35 Prozent allen Pachtbodens hatten sie in ihre Nutzung zu bringen gewusst - und über 30 Prozent der gesamten Anbaufläche der Sowjetunion in ihren Besitz!“[3]

Die Zahl der Kulaken war zwar bis Ende 1929 durch die wirtschaftliche Entwicklung und die Gesetzgebung der Sowjetregierung, die ihre Entfaltung durch Steuergesetze und neue Arbeitsgesetze behinderte, noch weiter zurückgegangen, aber ihre Besitzverhältnisse bestanden immer noch.

Sie waren es also, die durch die Kollektivierung zu verlieren hatten. Denn zu einem durften sie ja im Kollektiv niemanden für sich arbeiten lassen, da sie ja keine privaten Eigentümer mehr waren, zum anderen musste jedes Kollektivwirtschaftsmitglied selbst arbeiten.

Um einen genauen Begriff davon zu bekommen, was so eine Kollektivwirtschaft eigentlich war, geben wir eine kurze Einführung in ein Kollektivwirtschaftstatut wieder:

„Im Artikel I, in dem von den Zielen und Aufgaben der Kollektivwirtschaften die Rede ist, wird darauf hingewiesen, dass die Bauern des betreffenden Dorfes und Rayons sich freiwillig zu einem landwirtschaftlichen Artel zusammenschließen, um mit gemeinsamen Produktionsmitteln und gemeinsamer organisierter Arbeit eine kollektive, das heißt gesellschaftliche Wirtschaft aufzubauen(...)

Im Artikel II des Statuts ist gesagt, dass der Boden, der der Kollektivwirtschaften zu geteilt ist, ihnen zu unbefristeter Nutzung überlassen ist. Jeder Kollektivwirtschaft wird eine staatliche Urkunde über unbefristete Nutzung des Bodens ausgefolgt. In der Urkunde sind Ausmaße und Grenzen des der Kollektivwirtschaft zuerkannten Bodens genau angegeben. Veringerung der Kollektivwirtschaft zuerkannten Landfläche ist verboten. Hingegen darf sie vergrößert werden(...)“

Die Feldraine, die früher die Landanteile der Kollektivwirtschaftsmitglieder trennten - heißt es im Statut - werden beseitigt, und alle Landanteile werden zu einem einheitlichen Landmassiv vereinigt, das dem Artel zu gemeinsamer Nutzung zu Verfügung steht.

Im Statut ist genau angegeben, welche Produktionsmittel aus dem Besitz der in die Kollektivwirtschaft eintretenden Bauern gesellschaftliches Eigentum werden. Es werden vergesellschaftet: das gesamte Zugvieh, das landwirtschaftliche Inventar (Pflug, Sähmaschine, Egge, Dreschmaschine, Mähmaschine), alle Vorräte an Saatgut, die Futtermittel, soweit sie für del Unterhalt des in kollektiven Besitz überführten Viehs erforderlich sind, die Wirtschaftsgebäude, die für die Artelwirtschaft notwendig sind, und alle Betriebe zu Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse.

Beim Eintritt des Bauern in die Kollektivwirtschaft wird der Wert seines Eigentums, das er in die Kollektivwirtschaft übergibt, genau festgestellt. 50 bis 75 Prozent des Gesamtwerts dieses Eigentums werden als Mitgliedsbeitrag betrachtet. Der Rest wird in den unteilbaren Kollektivwirtschaftsfond abgeführt(...)

Jedes Kollektivwirtschaftsmitglied kann auf Wunsch aus der Kollektivwirtschaft ausscheiden. Beim Ausschieden wird ihm der von ihm geleisteten Beitrag in bar ausgezahlt. Das Grundstück, das er vor dem Eintritt in die Kollektivwirtschaft besaß, wird ihm nicht zurückgegeben, jedoch wird ihm auf Wunsch ein anderes Grundstück aus dem staatlichen Bodenfonds zuerkannt."

Im Statut sind auch verschiedene Bestimmungen über die persönliche Wirtschaft der Kollektivbauern enthalten. Beim Eintritt in das Artel wird das persönliche Eigentum des Kollektivbauern nicht etwa vergesellschaftet, wie es die faschistische Propaganda mit ihren böswilligen Unterstellungen weismachen wollte. Ein so absurder Gedanke, wie es die Aufhebung des persönlichen Eigentums der Bürger wäre, ist den Leitern der Kolchosen niemals gekommen.

„Das persönliche Eigentum der Staatsbürger an ihrem Arbeitseinkommen und ihren Ersparnissen, an ihrem Wohnhaus, an ihrer Kuh, ihrem Kleinvieh, ihrem Geflügel, an Hauswirtschafts- und Haushaltsgegenständen wie auch den Gegenständen des persönlichen Bedarfs und der Bequemlichkeit und auch das Erbrecht auf das persönliche Eigentum ist in der Sowjetunion geschützt“[4]

Man kann also leicht sehen, dass die Kollektivwirtschaften keineswegs jenes Horrorgespenst bürgerlicher Propaganda waren, wie sie oft heute noch dargestellt werden. Die kleineren und mittleren Bauern hatten von ihr, wenn sie sich erst einmal überzeugen konnten, gar nichts zu befürchten, sondern nur sehr viel zu gewinnen, wie es dann ja auch geschah.

Und im Beschluss, den das ZK der KPdSU(B) am 5. Januar 1930 fällte: „Über die Maßnahmen zur Beschleunigung der Kollektivierung der Landwirtschaft“, War das Artel, die Form der Kollektivwirtschaft, deren Statut wir hier wiedergeben haben, als der Regelfall beschlossen worden, als die normale Form der Kollektivwirtschaft.

Die Entwicklung der Bewegung zur Kollektivierung beschreibt der französische Schriftsteller Henri Barbusse 1935 wie folgt:

„Am Ende des vierten Planjahres - die Anbaufläche für Getreide war um 21 Millionen ha gewachsen - waren 224000 Kolchose und 5000 Sowchose geschaffen! Ende 1934 betrug die Zahl der Kolchose 240000. 65 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe der Sowjetunion und 70 Prozent des bebauten Bauernlandes (man kann heute sagen drei Viertel) sind der Anziehungskraft der Kolchose erlegen. In Prozenten ausgedrückt vollzog sich diese Umwandlung der Bauernwirtschaften in Kollektivbetriebe folgendermaßen: 1929 - 4 Prozent; 1930 - 23 Prozent; 1931 - 52 Prozent; 1932 - 61 Prozent; 1933 - 65 Prozent (die mehr als 2 Millionen Bauernwirtschaften darstellen). In großen Wellen ergoss sich die planmäßige Kollektivierung erobernd über die unabsehbaren Ebenen der Sowjetunion. Heute gehört 85 Prozent des Getreidelandes in der UdSSR den Kolchosen und Sowchosen.

Und diese Betriebe sind von erstaunlichem Umfang: Während in den Vereinigten Staaten nur der fünfte Teil der Farmen über mehr als 100 ha verfügt, beträgt in der Sowjetunion der Durchschnittsumfang der Kolchose 434 ha und der Sowchose 2000 ha.

Die materiellen Vorteile der Kollektivierung sind im Laufe dieser epochemachenden Eroberung des flachen Landes durch den Sozialismus durch mannigfaltige charakteristische Tatsachen bewiesen worden. Wir wollen nur eine von ihnen anführen: Es ist heute allgemein anerkannt, dass in der Ukraine erst die Erschließung der großen Hilfsmittel des gemeinschaftlichen Betriebes die Eindämmung der großen Gefahren erlaubt hat, die der Ernte durch die Dürre drohen. Nur die Kollektivierung hat der ganzen Union im Jahre 1934 ungeachtet der ungünstigen Witterungsverhältnisse eine bessere Ernte eingebracht, als das Jahr 1933.

Der Sowjetstaat ist den Bauern bei der Umgestaltung der Landwirtschaft entgegengekommen, in dem er 2860 Maschinen- Traktorenstationen im Werte von 2 Milliarden Rubel geschaffen und den Kolchosen Kredite eröffnet hat, die im verflossenen Jahr 1 Milliarde 600 Millionen Rubel betrugen. (Man muss verstehen, dass das Kredite sind, die aus einem Zweig der kollektiven Wirtschaft in einen anderen geleitet werden, Kredite aller an alle, und nicht, wie die Kredite der französischen Staatsbank an die Eisenbahn oder die Transalantische Schiffahrtsgesellschaft, herrliche Subventionen von Ministers Gnaden, von denen ein guter Teil - von anderen Wirtschaftszweigen ganz zu schweigen - bei den Aufsichtsräten hängen bleibt.) Der Sowjetstaat hat den Kollektivbauern weiter geholfen, indem er ihnen Saat- und Brotgetreide zur Verfügung stellt, 42 Millionen Dopperlzentner im vergangenen Jahre, und indem er für die armen Bauern Herabsetzung der Steuern und Versicherungsgelder durchführte, die im vergangenen Jahr 370 Millionen Rubel betrugen.

Die Gegenleistung: im Jahre 1929 haben die Einzelbauern dem Staat 780 Millionen Pud und die Kolchose 120 Millionen Pud Getreide geliefert. Im Jahre 1933 war das Bild umgekehrt: die Kolchose 1Milliarde Pud und die Einzelbauern 130 Pud.

Zu alledem kommt noch die planmäßig fortschreitende Einrichtung einer Unmenge von Instituten, Laboratorien, Fachhochschulen, agranomischen Kursen und Expeditionen für landwirtschaftliche Zwecke. Diese wohldurchdachte Organisation der Landwirtschaft mit ihren Riesenbetrieben, mit den Forschungen, Verbesserungsmaßnahmen und Experimenten für die Hebung der Landbebauung und Düngung ist schon an und für sich ein erhebendes Bild“[5]

Aber es gab gegen die Kollektivierung auch Widerstand, vor allem von den Kulaken. Sie waren die Quelle des Widerstands. Sie übten diesen Widerstand aus, weil sie es waren, die durch diese neue Revolution zu verlieren hatten.

Und so muss man dies auch sehen: Das war eine neue Revolution! Eine Revolution, zu der der Staat und die Partei der Arbeiter die Bauernschaft aufriefen, zur Abschaffung der letzten großen Ausbeuterklasse, die im Lande bestand, zur Abschaffung der wirtschaftlichen Position der letzten Gruppe von Menschen, die andere für sich arbeiten ließen. Aber - wir erwähnten schon - diese Kulaken hatten durchaus eine gewisse Macht. Ihr Viehbestand und die Verfügung über fast ein Drittel der Anbaufläche machten sie nach wie vor zu einem Faktor. Und da sie zum Zeitpunkt der Beschleunigung der Kollektivierung immer noch etwa 5,8 Millionen Menschen zählten, und es immer noch mehrer Millionen Menschen gab, die von ihnen abhängig waren, war dieser Faktor recht groß.

Und so organisierten sie eine große Kampagne gegen die Kollektivierung. Oftmals gemeinsam mit kirchlichen Kreisen, verbreiteten sie eine Propaganda, die besagte, die Kollektivierung werde den Ruin aller Bauern bedeuten.

Aber sie ließen es nicht bei der Propaganda, im Gegenteil, diese Propaganda war nur der Auftakt eines großen, umfassenden und auch gewaltigen Kampfes.

Sie trieben ganz massiv Wirtschaftssabotage. Sie schlachteten ihr Vieh, das sie ja in verhältnismäßig großen Mengen besaßen. Sie schlachteten mindestens 10 Millionen Pferde und noch mehr Kühe. Da die anderen Bauern nur wenig mehr als die Hälfte des gesamten Viehbestands besaßen, rechneten sie damit, dass das Stückzahl an Vieh, vor allem an Zugtieren, ohne das Kulakenvieh nicht mehr ausreichen würde, die Wirtschaft zu betreiben. Und sie trieben auch solche mittleren Bauern, die ihnen glaubten, dazu, ihrerseits das Vieh zu schlachten.

Sie versteckten und horteten ihr Getreide, um nach Möglichkeit eine Lebensmittelknappheit in den Städten zu provozieren und dadurch Unzufriedenheit mit der Wirtschaftspolitik des Sowjetstaates zu erzeugen. Und sie stifteten auch solche Bauern, die ihnen glaubten, dazu an, es ihnen gleichzutun.

Und sie gingen auch direkt dazu über die Getreideproduktion der Kollektivwirtschaften zu sabotieren. Allein in den ersten drei Monaten des Jahres 1931 wurden mehr als 270 Getreidespeicher der Kollektivwirtschaften nachts von Unbekannten in Brand gesteckt.

Eine ganze Reihe von ihnen ging noch weiter. Die meisten von ihnen waren im Besitz von von Waffen. Sie bildeten in manchen Gegenden regelrechte Banden, die Kollektivbauern terrorisierten und die besonders Jagd auf Mitglieder der KPdSU(B) machten, die für die Kollektivierung arbeiteten. Anfang 1931 wurden mehr als 100 Kommunisten erschossen!

Dabei kamen den Kulaken einige Fehler, die bei diesem großen Werk auftraten, zugute. Gleich zu Anfang 1931 war die Lage gerade deswegen so gespannt und in manchen Gegenden regelrecht überhitzt, weil verschiedene Kommunisten und Behörden auch Fehler machten in der Politik gegenüber solchen Mittelbauern, die nicht in die Kollektivwirtschaft eintreten wollten.

Jetzt gab es eine ganze Reihe von Fällen, in denen eben nicht jene Geduld angewandt wurde, die Stalin gezeigt und auch von anderen verlangt hatte, sondern in denen versucht wurde, alles noch schneller besser zu erreichen, und wobei auch Druck und Zwang ausgeübt wurde, und zwar auf die falschen Leute, auf die mittleren Bauern. Von diesen wiederum die Kulakenpropaganda mit erheblich offeneren Ohren angehört als von den meisten anderen Mittelbauern.

Deshalb verfasste J.W. Stalin im März 1930 seine Artikel „Vor Erfolgen von Schwindel befallen“, in dem er dieses Vorgehen kritisierte und nochmals nachdrücklich betonte, dass keinerlei Zwang für den Zusammenschluss in Kollektivwirtschaften ausgeübt worden dürfe, wenn dieser nicht völlig den Sinn verlieren sollte. Mit diesem Artikel führte er einen weiteren Beschluss des Zentralkomitees der KPdSU(B) herbei, der einerseits diese Fehler korrigierte und jeden Kommunisten davor warnte, gegen die Politik der Partei zu verstoßen und sich etwa gegen mittlere Bauern zu wenden, der andererseits eine Reihe von Maßnahmen vorsah, um der Bewegung zur Kollektivierung weiter zu halfen, und der sich gegen noch vorhandene innerparteiliche Kritiker an der Kollektivierung wandte, die meinten, das ganze rentiere sich nicht.

Dazu berichtet Henri Barbusse:

„Es hat ernste Widerstände gegeben. Die Triebkraft dieses Widerstandes war die verzweifelte und wütende Gegenwehr der Kulaken. Und man hat bei den ersten Versuchen der Durchsetzung dieses großen Werkes auch nicht wenig Lehrgeld zahlen müssen. Es gab einen Augenblick, wo man aus dem Tritt kam. Man war zu schnell vorwärts gegangen. Der Artikel Stalins: ‚Erfolge steigen zu Kopf’ (dieser Artikel ist beinahe legendär geworden), führt die Wendung herbei und korrigierte die Abweichung. Danach musste etwas geschehen. Also führte man eine Mobilisierung von Kommunisten und Spezialisten durch, die auf das Land hinausgeschickt wurden. Man ging dabei von dem Grundsatz aus, dass man, um eine verfahrene Sache, welcher Art sie auch sein möge, wieder in die richtige Bahn zu bringen, die Leitung von neuem fest in die Hand nehmen und von vorne anfangen muss, indem man unten bei der Basis beginnt und sie verstärkt. Jede Traktorenstation wurde zu einer ideologischen Festung, von der aus man in das Gehirn der Bauernmassen aufklärend vorstieß. Auf diese Weise wurden 25000 erprobte Kommunisten, 110000 Spezialisten und zu gleicher Zeit 190000 Traktorenführer und Mechaniker den Kolchosen zur Hilfe geschickt. Und sie sind mit ihrer Aufgabe fertig geworden.

Aber die Kritik kommt nicht zum Schweigen. Ein großer Teil der Kolchose ist nicht rentabel. Einige Kommunisten schlagen sogar, das ganze kostspielige Experiment aufzugeben.

Wieder einmal zeigt unser großer Leiter seine großzügige Voraussicht, indem er sich mit bitterer Heftigkeit diesem gewaltsamen Vorschlag der Kurzsichtigen entgegenstellt. In ihr Geschrei hinein tönt sein Ruf: Nicht rentabel? So war es auch mit den Industriebetrieben im Jahre 1927-. Wir haben sie rentabel gemacht. Und, sie sind vor allem die Grundlage des Ganzen, des Systems...

Man darf die wirtschaftliche Rentabilität nicht vom rein geschäftsmäßigen Standpunkt der augenblicklichen Konjunktur aus betrachten. Die wirtschaftliche Rentabilität muss vom Standpunkt der Gesamtheit unseres Wirtschaftslebens für eine Periode von mehreren Jahren betrachtet werden. Nur eine solche Betrachtungsweise kann wirklich leninistisch, wirklich marxistisch genannt werden.“

Und darum ist dies auch der Standpunkt Stalins. Wenn Stalin einerseits sich die Liquidatoren, die ‚Pfuscher’ von rechts vornimmt, so packt er andererseits auch die ‚Phrasenmacher’ von links an und jene, die sich von dem schnellen Gang der Ereignisse überholen lassen. So beschuldigte er schonungslos jene Kommunisten in den Agrargebieten, die es nicht verstanden haben, im Jahre 1932, wo eine gute Ernte zu verzeichnen war, die nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um die staatliche Getreideaufbringung durchzuführen, bevor die für den Bauern gewinnbringenderen Verkäufe auf dem Kolchosenmarkt erfolgten.

Er kritisierte selbst den Rat der Volkskommissare, der in dieser Frage zwar entsprechende Verfügung erlassen, aber nach seiner Meinung nicht genug zu ihrer Bekanntgabe und Durchsetzung getan hat.

Die bei dem Aufbau der Kolchose erreichten Resultate sind bedeutend, stellt er fest, es wäre aber ein großer Irrtum, sich einzubilden, man könne nun einfach die Hände in den Schoß legen. Noch bestehen große Schwierigkeiten[6].

Wie man sehen kann, eine insgesamt sehr schwierige, weil völlig neue Situation. In dieser Situation gab es dann natürlich auch harte Maßnahmen gegen Kulaken, die gegen die Staatsgesetze verstoßen hatten, gegen solche, die gemordet, gebrandschatzt, gestohlen hatten. Sie kamen ins Gefängnis oder wurden ausgewiesen, eine Reihe auch erschossen. Gegen die anderen, die sich fügten, gab es keine solchen Maßnahmen, sondern das Angebot mitzuarbeiten. Viele dieser Kulaken taten das. Viele von ihnen aber, die sich Vergehen hatten zuschulden kommen lassen, zogen es auch vor, freiwillig und nicht etwa wie wiederum andere ausgewiesene - in eine andere Gegend der UdSSR zu fliehen, dort in eine Kollektivwirtschaft einzutreten. Entweder um Ruhe zu haben oder aber, wie es einige tausend taten, um auf ihre Stunde der Rache zu warten. Aus dieser Flucht von ungefähr 30000 Kulaken und der Ausweisung weiterer 20000 wurde dann die „Vertreibung Hunderttausender sowjetischer Bauern“ in der westlichen Presse.

In der Sowjetunion selbst verlief die Entwicklung ganz anders. Bereits am 7. Januar 1933 konnte J. W. Stalin feststellen:

„Die Partei hat erreicht, dass das Kulakentum als Klasse zerschmettert, wenn auch noch nicht vernichtet ist, dass die werktätige Bauernschaft von der Knechtung und Ausbeutung durch die Kulaken befreit ist und dass für die Sowjetmacht im Dorfe eine feste wirtschaftliche Basis geschaffen wurde, die Basis der kollektiven Wirtschaft.

Die Partei hat erreicht, dass die Sowjetunion aus einem Lande der kleinbäuerlichen Wirtschaft bereits zum Lande der größten landwirtschaftlichen Betriebe der Weit geworden ist“[7].

Das Dorf war dabei, sein Gesicht zu ändern, oder hatte es bereits geändert.

Wo früher der Posten der Gendarmerie des Zaren gestanden hatte, war jetzt das Klubhaus der Kollektivbauern. Wo früher die Kirchen standen, waren jetzt Krankenhäuser, Bibliotheken und andere Einrichtungen dieser Art.

Wo es früher nur Analphabeten gegeben hatte, existierte jetzt nicht nur eine Grund- und eine höhere Schule, sondern auch ein agrarwissenschaftliches oder ein veterinärmedizinisches Institut, von denen es jeweils Zehntausende gab.

Die sowjetische Bäuerin hatte mit am meisten dabei gewonnen. Nichts an ihr erinnerte noch an die Frau des Landarmen früherer Tage.

„Das Kollektivwirtschaftssystem hat die endgültige Aufhebung der Ungleichheit zwischen Mann und Frau gesichert, denn im Hinblick auf das Tagewerk sind alle in der Kollektivwirtschaft gleich. Die Frauen wurden in den Kollektivwirtschaften eine große Macht. Kollektivbäuerinnen arbeiten als Vorsitzende der Kollektivwirtschaften, als Brigade- und Gruppenleiterinnen, als Traktoren- und Mähdrescherführerinnen. Sie zeigen große Initiative bei der Entfaltung des sozialistischen Wettbewerbs“[8].

Die armen Bauern und die mittleren Bauern hatten also von der Kollektivierung nur zu gewinnen. Deshalb folgten sie, Dutzende und Aberdutzende von Millionen Menschen, dem Ruf der Partei zum Kampf gegen die Kulaken.

Denn der Kampf gegen diese letzte Ausbeuterklasse war kein Kampf zwischen Kommunisten und Kulaken, sondern zwischen den breitesten Teilen der Bauern, an deren Spitze die Kommunisten standen, gegen die Ausbeuter.

Die Bauern, die sich auf die Sowjetmacht stützten, nahmen den Kulaken das Land, das Vieh und die Maschinen ab, so wie die Arbeiter im Oktober 1917 den Kapitalisten die Werke, Fabriken und Banken abgenommen hatten.

Eine Protokollnotiz aus der Versammlung einer Genossenschaft in jenen Tagen soll dies verdeutlichen:

„Zur Debatte stand: die Kollektivierung und die Liquidierung des Kulakentums als Klasse.

Beschlussfassung: nach Anhörung des Referats über die Liquidierung des Kulakentums als Klasse im Dorf haben wir, die Mitglieder der Genossenschaft zur gemeinschaftlichen Bearbeitung des Bodens Bauernarbeit, da wir in Betracht zogen, dass der Kulak der Klassenfeind der Hauptmasse des Dorfes ist und die Maßnahmen der Partei und der Sowjetmacht zur Umgestaltung der Landwirtschaft hemmt, beschlossen, das Eigentum der Kulaken, sowohl das bewegliche als auch das unbewegliche, unverzüglich zu beschlagnahmen und der Genossenschaft zur Verfügung zu stellen und die Miliz zu bitten, die Kulaken selbst aus dem Bezirk auszuweisen“[9].

So reagierten Bauern aus einem Kreis, in dem die Situation sehr zugespitzt war, und tatsächlich wurden auch rund 20000 Kulaken aus ihrer Region ausgewiesen, um keinen Schaden mehr anrichten zu können.

Ober die Auswirkung der Kollektivierung der Landwirtschaft auf die asiatischen Republiken der UdSSR berichtet ein des Kommunismus sehr unverdächtiger Zeuge, der Dekan von Canterbury:

„Die nächste Etappe musste durch den Traktor erobert werden. Es war schwer für die Bauern, das Land, in dessen Besitz sie eben erst gelangt waren, von neuem hergeben zu müssen und sich in größeren Gruppen zu Kollektivfarmern zusammenzuschließen. Es bestand die Gefahr, dass Einzelbauern durch das Zusammenraffen von Land Reichtum erwerben und dass die eben beseitigten Übel von neuem beginnen würden. Der Traktor rettete sie vor sich selbst. Das Frühjahr 1930 brachte den Höhepunkt der Krise. Der Frühling kam spät ins Land. Die Zeit zur Aussaat war kurz bemessen. Die Bauern quälten sich auf ihren kleinen Wirtschaften mit Holzpflügen, um die Erde aufzukratzen, während jenseits der schmalen Furche, die ihr kleines Feld von den Staatsgütern trennte, das riesige Stahlross den harten Boden im Gewalttempo tief aufriss. Vergeblich warnten die Mullahs die Bauern, dass die mit Traktoren umgepflügten Felder keinen Erntesegen brächten’. Das Wunder hatte sich vor ihren erstaunten Augen vollzogen, und der Traktor hatte gesiegt. Die Bauern strömten in die Kollektive. Die Zeit war reif für eine geplante Baumwollindustrie in Zentralasien“[10].

So reagierten also die Bauern in den asiatischen Republiken, die ja zum Teil erst 1927 von der Herrschaft der Feudalen befreit worden waren, erst drei Jahre unter der Sowjetmacht lebten. Noch viel eindeutiger reagierten jene, die schon zwölf bis fünfzehn Jahre im Staat der Arbeiter und Bauern lebten.

In seinem bereits erwähnten Bericht vom 7. Januar 1933 sagte J.W. Stalin:

„Bei der Verwirklichung des Fünfjahrplans in der Landwirtschaft hat die Partei die Kollektivierung in beschleunigtem Tempo durchgeführt. Hat die Partei richtig gehandelt, als sie die Politik des beschleunigten Kollektivierungstempos betrieb? Ja, sie hat unbedingt richtig gehandelt, obwohl es hier nicht ohne einen gewissen Obereifer abgegangen ist. Bei der Durchführung der Politik der Liquidierung des Kulakentums als Klasse und bei der Vernichtung der Kulakennester konnte die Partei nicht auf halbem Wege stehen bleiben. Sie musste dieses Werk zu Ende führen.

Das als erstes.

Zweitens hat die Partei, da sie einerseits über Traktoren und landwirtschaftliche Maschinen verfügte und sich andererseits das Fehlen von Privateigentum an Grund und Boden (Nationalisierung des Bodens!) zunutze machte, alle Möglichkeiten, um die Kollektivierung der Landwirtschaft zu forcieren. Und sie hat auf diesem Gebiet in der Tat einen gewaltigen Erfolg errungen, denn sie hat das Programm des Fünfjahresplans der Kollektivierung zu 300 Prozent verwirklicht“[11].

Das war die Politik der Kollektivierung der Landwirtschaft, die den Völkern der Sowjetunion die Sicherheit ihrer Versorgung gewährleistete, ihnen mehr Brot als je zuvor beschaffte und den Bauern wohlhabend machte. Das war die Auswirkung des Stalinschen Fünfjahresplans in der Landwirtschaft. Das war der siegreiche Kampf gegen die letzte Ausbeuterklasse, die Kulaken, die Großbauern. Kann es da irgendjemand verwundern, wenn die sowjetischen Bauern Stalin nicht hassten, wenn er ihnen nicht gleichgültig war, sondern dass sie ihn „Väterchen Stalin“ nannten? Das kann niemand überraschen, war er es doch, der diese Politik, die ihr Leben so sehr zum Guten veränderte, geleitet hatte.

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