Die Wahrheit über Stalin

Herausgegeben 1979 von der
Kommunistischen Partei Deutschlands/MarxistenLeninisten

Stalin beantwortet Fragen U.S.-amerikanischer Arbeiter

Wir wollen noch einen weiteren Text aus Stalins Werken veröffentlichen, der zeigt, in welcher Offenheit er mit Arbeitern über die UdSSR sprach. Beim Besuch der ersten amerikanischen Arbeiterdelegation in der UdSSR 1927 antwortete Stalin auf die Fragen der Delegationsmitglieder (Band 10, Seite 91 ff).

Dritte Frage. Da in Rußland nur eine Partei legal ist, woher wissen Sie, dass die Massen mit dem Kommunismus sympathisieren?

Antwort. Es stimmt, dass es in der UdSSR keine legalen bürgerlichen Parteien gibt, dass hier nur eine Partei legal ist, die Partei der Arbeiter, die Partei der Kommunisten. Haben wir dennoch Mittel und Wege, um uns davon zu überzeugen, dass die Mehrheit der Arbeiter, die Mehrheit der werktätigen Massen mit den Kommunisten sympathisiert? Es handelt sich natürlich um die Arbeiter- und Bauernmassen, nicht um die neue Bourgeoisie, nicht um die Überreste der alten Ausbeuterklassen, die vom Proletariat bereits zerschlagen worden sind. Ja, wir haben die Möglichkeit, wir haben Mittel und Wege, um zu erfahren, ob die Arbeiter- und Bauernmassen mit den Kommunisten sympathisieren oder nicht sympathisieren.

Nehmen wir die wichtigsten Momente im Leben unseres Landes und prüfen wir, ob wir berechtigt sind zu behaupten, dass die Massen wirklich mit den Kommunisten sympathisieren.

Nehmen wir vor allem einen so wichtigen Moment wie die Periode des Oktoberumsturzes im Jahre 1917, als die Partei der Kommunisten, eben als Partei, die Arbeiter und Bauern offen zum Sturz der Macht der Bourgeoisie aufrief und als sie, diese Partei, die Unterstützung der gewaltigen Mehrheit der Arbeiter, Soldaten und Bauern erlangte.

Wie war damals die Situation? An der Macht standen die Sozialrevolutionäre (SR) und die Sozialdemokraten (Menschewiki), die mit der Bourgeoisie einen Block bildeten. Der Machtapparat im Zentrum und im Lande befand sich ebenso wie der Kommandoapparat der 12-Millionen-Armee in den Händen dieser Parteien, in den Händen der Regierung. Die Partei der Kommunisten war halblegal. Die Bourgeois aller Länder prophezeiten ein unvermeidliches Scheitern der Partei der Bolschewiki.

Die Entente stand voll und ganz hinter der Kerenskiregierung. Nichtsdestoweniger hörte die Partei der Kommunisten, die Partei der Bolschewiki, nicht auf, das Proletariat zum Sturz dieser Regierung und zur Errichtung der Diktatur des Proletariats aufzurufen. Und was geschah? Die gewaltige Mehrheit der werktätigen Massen im Hinterland und an der Front unterstützte aufs entschiedenste die Partei der Bolschewiki - und die Kerenskiregierung wurde gestürzt, die Macht des Proletariats wurde errichtet.

Wie konnte es geschehen, dass die Bolschewiki damals den Sieg davontrugen, trotz der feindseligen Prophezeiungen der Bourgeois aller Länder über den Untergang der Partei der Bolschewiki? Beweist dieser Umstand nicht, dass die breiten Massen der Werktätigen mit der Partei der Bolschewiki sympathisieren? Ich glaube, er beweist es.

Da haben Sie die erste Prüfung der Autorität und des Einflusses der Partei der Kommunisten unter den breiten Massen der Bevölkerung.

Nehmen wir die folgende Periode, die Periode der Intervention, die Periode des Bürgerkriegs, als die englischen Kapitalisten Nordrußland; das Gebiet von Archangelsk und Murmansk, okkupierten, als die amerikanischen, englischen, japanischen und französischen Kapitalisten Sibirien okkupierten und Koltschak vorschoben, als die französischen und englischen Kapitalisten Schritte zur Okkupation „Südrußlands“ unternahmen und Denikin und Wrangel auf den Schild hoben.

Das war ein Krieg der Entente und der konterrevolutionären Generale Rußlands gegen die kommunistische Regierung in Moskau, gegen die Errungenschaften unserer Oktoberrevolution. Das war eine Periode größter Prüfung der Stärke und Festigkeit des Einflusses der Partei der Kommunisten unter den breiten Massen der Arbeiter und Bauern.

Und was geschah? Ist es etwa nicht bekannt, dass im Ergebnis des Bürgerkriegs die Okkupanten aus Rußland hinausgeworfen, die konterrevolutionären Generale aber durch die Rote Armee vollends geschlagen wurden?

Hier zeigte es sich gerade, dass die Geschicke des Krieges letzten Endes nicht durch die Technik entschieden werden - mit Technik wurden Koltschak und Denikin von den Feinden der UdSSR reichlich versorgt -, sondern durch eine richtige Politik, durch die Sympathie und die Unterstützung der Millionenmassen der Bevölkerung.

War es ein Zufall, dass die Partei der Bolschewiki damals den Sieg davontrug? Natürlich war es kein Zufall. Zeugt dieser Umstand nicht davon, dass die Partei der Kommunisten bei uns die Sympathie der breiten Massen der Werktätigen genießt? Ich glaube, er zeugt davon.

Da haben Sie die zweite Prüfung der Stärke und Festigkeit der Kommunistischen Partei in der UdSSR.

Gehen wir zur gegenwärtigen Periode, zur Nachkriegsperiode über, in der die Fragen des friedlichen Aufbaus auf die Tagesordnung rückten, in der die Phase der wirtschaftlichen Zerrüttung abgelöst wurde durch die Phase der Wiederherstellung der Industrie und schließlich durch die Phase des Umbaus unserer ganzen Volkswirtschaft auf einer neuen technischen Grundlage. Haben wir jetzt Mittel und Wege, um die Stärke und Festigkeit der Partei der Kommunisten zu prüfen, um den Grad der Sympathie der breiten Massen der Werktätigen für diese Partei festzustellen? Ich glaube, wir haben sie.

Nehmen wir vor allem die Gewerkschaften der Sowjetunion, denen ungefähr 10 Millionen Proletarier angehören, sehen wir uns die Zusammensetzung der führenden Organe unserer Gewerkschaften an. Ist es ein Zufall, dass an der Spitze dieser Organe Kommunisten stehen? Natürlich ist das kein Zufall. Es wäre töricht zu glauben, dass den Arbeitern der UdSSR die Zusammensetzung der führenden Organe der Gewerkschaften gleichgültig ist. Die Arbeiter der UdSSR haben sich in den Stürmen dreier Revolutionen entwickelt und geschult. Sie haben, wie niemand sonst, gelernt, ihre Führer zu prüfen und wenn sie den Interessen des Proletariats nicht entsprechen, sie davonzujagen. Eine Zeitlang war Plechanow der populärste Mann in unserer Partei. Als aber die Arbeiter sich davon überzeugten, dass Plechanow die proletarische Linie verlassen hatte, schreckten sie nicht davor zurück, ihn vollkommen zu isolieren. Und wenn diese Arbeiter den Kommunisten ihr volles Vertrauen ausdrücken und sie auf verantwortliche Posten in den Gewerkschaften stellen, so kann das nur ein direkter Beweis dafür sein, dass der Einfluss der Kommunistischen Partei unter den Arbeitern der UdSSR von gewaltiger Stärke und Festigkeit ist.

Da haben Sie eine Prüfung, die zeigt, dass die breiten Massen der Arbeiter unbedingt mit der Partei der Kommunisten sympathisieren.

Nehmen wir die letzten Wahlen zu den Sowjets. Das Recht, an den Wahlen zu den Sowjets teilzunehmen, hat bei uns die gesamte erwachsene Bevölkerung der UdSSR vom 18. Lebensjahr an, ohne Unterschied des Geschlechts und der Nationalität, mit Ausnahme der bürgerlichen Elemente, die fremde Arbeit ausbeuten und denen das Wahlrecht entzogen ist. Die Zahl der Wähler beläuft sich auf ungefähr 60 Millionen. Die gewaltige Mehrheit der Wähler besteht natürlich aus Bauern. Von diesen 60 Millionen haben ungefähr 51 Prozent, das heißt mehr als 30 Millionen, von dem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Sehen Sie sich nun die Zusammensetzung der führenden Organe unserer Sowjets im Zentrum und im Lande an. Kann man die Tatsache als Zufall bezeichnen, dass die gewaltige Mehrheit der gewählten führenden Funktionäre aus Kommunisten besteht? Es ist klar, dass man das nicht als Zufall bezeichnen kann. Zeugt diese Tatsache nicht davon, dass die Kommunistische Partei unter den Millionenmassen der Bauernschaft Vertrauen genießt? Ich glaube, sie zeugt davon.

Da haben Sie eine weitere Prüfung der Stärke und Festigkeit der Kommunistischen Partei.

Nehmen wir den Kommunistischen Jugendverband (Komsomol), dem ungefähr 2 Millionen jugendliche Arbeiter und Bauern angehören. Kann man die Tatsache als Zufall bezeichnen, dass die gewaltige Mehrheit der gewählten führenden Funktionäre des Kommunistischen Jugendverbands Kommunisten sind? Ich glaube, das kann man nicht als Zufall bezeichnen.

Da haben Sie eine weitere Prüfung der Stärke und Autorität der Kommunistischen Partei.

Nehmen wir schließlich unsere zahllosen Konferenzen, Beratungen, Delegiertenversammlungen usw., die Millionenmassen von werktätigen Männern und Frauen, Arbeitern und Arbeiterinnen, Bauern und Bäuerinnen aller Nationalitäten der UdSSR erfassen. Über diese Beratungen und Konferenzen spricht man im Westen mitunter ironisch und behauptet, dass die Russen überhaupt gern reden. Indes haben diese Beratungen und Konferenzen für uns gewaltige Bedeutung, weil sie sowohl einen Prüfstein für die Stimmung der Massen abgeben als auch unsere Fehler aufdecken und Mittel und Wege zur Beseitigung dieser Fehler aufzeigen, denn bei uns werden nicht wenig Fehler gemacht, und wir verheimlichen sie nicht, da wir der Auffassung sind, dass die Aufdeckung der Fehler und ihre ehrliche Berichtigung das beste Mittel ist, um die Leitung des Landes zu verbessern. Lesen Sie die Reden, die auf diesen Konferenzen und Beratungen gehalten werden, lesen Sie die sachlichen und offenherzigen Bemerkungen dieser „einfachen Leute“ aus den Reihen der Arbeiter und Bauern, lesen Sie ihre Beschlüsse - und Sie werden sehen, wie gewaltig der Einfluss und die Autorität der Kommunistischen Partei ist, Sie werden sehen, dass jede Partei in der Welt uns um diesen Einfluss und diese Autorität beneiden könnte.

Da haben Sie eine weitere Prüfung der Festigkeit der Kommunistischen Partei.

Das sind die Mittel und Wege, die wir haben, um die Stärke der Kommunistischen Partei und ihren Einfluss unter den Volksmassen zu überprüfen.

Daher weiß ich, dass die breiten Massen der Arbeiter und Bauern der UdSSR mit der Kommunistischen Partei sympathisieren.

Vierte Frage. Wenn eine parteilose Gruppe eine Fraktion organisierte und bei den Wahlen eigene Kandidaten, die auf der Plattform der Unterstützung der Sowjetregierung stünden, aufstellte, gleichzeitig aber die Aufhebung des Außenhandelsmonopols forderte - könnte sie über eigene Mittel verfügen und eine aktive politische Kampagne entfalten?

Antwort. Ich glaube, diese Frage enthält einen unversöhnlichen Widerspruch. Man kann sich keine Gruppe vorstellen, die auf der Plattform der Unterstützung der Sowjetregierung stünde und gleichzeitig die Aufhebung des Außenhandelsmonopols forderte. Warum? Weil das Außenhandelsmonopol eine der unerschütterlichen Grundlagen der Plattform der Sowjetregierung ist. Weil eine Gruppe, die die Aufhebung des Außenhandelsmonopols fordert, nicht für die Unterstützung der Sowjetregierung sein kann. Weil eine solche Gruppe nur eine Gruppe sein kann, die dem gesamten Sowjetsystem zutiefst feindlich gegenübersteht.

In der UdSSR gibt es natürlich Elemente, die die Aufhebung des Außenhandelsmonopols fordern. Das sind die NÖP-Leute, die Kulaken, die Splitter der bereits zerschlagenen Ausbeuterklassen usw. Aber diese Elemente sind eine verschwindende Minderheit der Bevölkerung. Ich glaube, dass es sich bei der Frage der Delegation nicht um diese Elemente handelt. Wenn es sich aber um die Arbeiter und die werktätigen Massen der Bauernschaft handelt, so muss ich sagen, dass die Forderung nach Aufhebung des Außenhandelsmonopols bei ihnen nur Gelächter hervorrufen und feindselig aufgenommen werden würde.

In der Tat, was würde die Abschaffung des Außenhandelsmonopols für die Arbeiter bedeuten? Das würde für sie Verzicht auf die Industrialisierung des Landes, auf die Errichtung neuer Werke und Fabriken, auf die Erweiterung der alten Werke und Fabriken bedeuten. Das würde für sie Überschwemmung der UdSSR mit Waren aus den kapitalistischen Ländern, Abbau unserer Industrie infolge ihrer relativen Schwäche, Vermehrung der Zahl der Arbeitslosen, Verschlechterung der materiellen Lage der Arbeiterklasse, Schwächung ihrer ökonomischen und politischen Positionen bedeuten. Das würde letzten Endes eine Stärkung des NÖP-Manns und der neuen Bourgeoisie überhaupt bedeuten. Kann das Proletariat der UdSSR einen solchen Selbstmord begehen? Es ist klar, dass es das nicht kann.

Und was würde die Abschaffung der Außenhandelsmonopole für die werktätigen Massen der Bauernschaft bedeuten? Sie würde die Verwandlung unseres Landes aus einem selbständigen Land in ein halbkoloniales Land und die Verelendung der Bauernmassen bedeuten. Sie würde die Rückkehr zu jenem Regime des „freien Handels“ bedeuten, das unter Koltschak und Denikin herrschte, als die vereinigten Kräfte der konterrevolutionären Generale und der „Alliierten“ die Millionenmassen der Bauernschaft nach Herzenslust ausrauben und ausplündern konnten. Das würde letzten Endes eine Stärkung der Kulaken und der übrigen Ausbeuterelemente im Dorfe bedeuten. Die Bauern haben die Herrlichkeiten dieses Regimes in der Ukraine und im Nordkaukasus, an der Wolga und in Sibirien zur Genüge ausgekostet. Was könnte zu der Annahme berechtigen, dass sie von neuem den Kopf in diese Schlinge stecken wollen? Ist es etwa nicht klar, dass die werktätigen Massen der Bauernschaft nicht für die Abschaffung des Außenhandelsmonopols sein können?

Ein Delegierter. Die Delegation hat den Punkt bezüglich des Außenhandelsmonopols, bezüglich seiner Aufhebung, als einen Punkt aufgeworfen, auf dessen Basis sich eine ganze Gruppe der Bevölkerung organisieren könnte, wenn in der UdSSR nicht das Monopol einer Partei, das Monopol auf Legalität, bestünde.

Stalin. Die Delegation kehrt also zur Frage des Monopols der Kommunistischen Partei, als der einzigen legalen Partei in der UdSSR, zurück. Ich habe diese Frage bereits kurz beantwortet, als ich von den Mitteln und Wegen sprach, die wir haben, um die Sympathie der Millionenmassen der Arbeiter und Bauern für die Kommunistische Partei zu überprüfen.

Was die anderen Schichten der Bevölkerung, die Kulaken, die NÖP-Leute, die Überreste der alten zerschlagenen Ausbeuterklassen betrifft, so haben sie bei uns kein Recht auf eine eigene politische Organisation, ebenso wie sie kein Wahlrecht haben. Das Proletariat hat der Bourgeoisie nicht nur die Fabriken und Werke, die Banken und die Eisenbahnen, den Boden und die Bergwerke weggenommen. Es hat ihr auch das Recht auf eine eigene politische Organisation genommen, denn das Proletariat will nicht die Wiederherstellung der Macht der Bourgeoisie. Die Delegation hat offenbar nichts dagegen einzuwenden, dass das Proletariat der UdSSR der Bourgeoisie und den Gutsbesitzern die Fabriken und Werke, den Boden und die Eisenbahnen, die Banken und Bergwerke weggenommen hat. (Heiterkeit.)

Die Delegation ist jedoch, wie mir scheint, etwas darüber erstaunt, dass das Proletariat sich nicht hierauf beschränkt hat, sondern weitergegangen ist und der Bourgeoisie die politischen Rechte genommen hat. Das ist meines Erachtens nicht ganz logisch oder, richtiger gesagt, ganz unlogisch. Mit welcher Berechtigung fordert man vom Proletariat Großmut gegenüber der Bourgeoisie? Legt etwa die Bourgeoisie im Westen, die sich an der Macht befindet, auch nur die geringste Großmut gegenüber der Arbeiterklasse an den Tag? Treibt sie nicht die wirklich revolutionären Parteien der Arbeiterklasse in die Illegalität? Mit welcher Berechtigung fordert man vom Proletariat der UdSSR Großmut gegenüber seinem Klassenfeind? Ich glaube, Logik verpflichtet. Wer an die Möglichkeit denkt, der Bourgeoisie ihre politischen Rechte wiederzugeben, muss, wenn er logisch sein will, weitergehen und auch die Frage der Rückgabe der Fabriken und Werke, der Eisenbahnen und der Banken an die Bourgeoisie stellen.

Ein Delegierter. Die Delegation hatte die Aufgabe, zu klären, auf welche Weise in der Arbeiterklasse und in der Bauernschaft vorhandene Ansichten, die von den Ansichten der Kommunistischen Partei abweichen, ihren legalen Ausdruck finden können. Es wäre falsch, die Sache so aufzufassen, dass die Delegation sich für die Frage der Gewährung politischer Rechte an die Bourgeoisie, für die Frage, wie die Bourgeoisie ihre Ansichten auf legalem Wege zum Ausdruck bringen könne, interessiert. Es handelt sich eben darum, auf welche Weise in der Arbeiterklasse und in der Bauernschaft vorhandene Ansichten, die von den Ansichten der Kommunistischen Partei abweichen, ihren legalen Ausdruck finden können.

Ein anderer Delegierter. Diese abweichenden Ansichten könnten in den Massenorganisationen der Arbeiterklasse, in den Gewerkschaften usw. ihren Ausdruck finden.

Stalin. Sehr gut. Also, es handelt sich nicht um die Wiederherstellung der politischen Rechte der Bourgeoisie, sondern um den Meinungskampf innerhalb der Arbeiterklasse und der Bauernschaft.

Haben wir gegenwärtig in der Sowjetunion einen Meinungskampf unter den Arbeitern und den werktätigen Massen der Bauernschaft? Ja, unbedingt. Es ist unmöglich, dass Millionen von Arbeitern und Bauern in allen praktischen Fragen und in allen Einzelfragen der gleichen Meinung sind. So etwas gibt es im Leben nicht. Erstens besteht ein großer Unterschied zwischen den Arbeitern und den Bauern sowohl hinsichtlich ihrer ökonomischen Lage als auch hinsichtlich ihrer Ansichten über diese oder jene Fragen. Zweitens bestehen gewisse Unterschiede in den Auffassungen innerhalb der Arbeiterklasse selbst, Unterschiede der Erziehung, Unterschiede des Alters, des Temperaments, Unterschiede zwischen den Stammarbeitern und den Arbeitern, die aus dem Dorfe gekommen sind, usw. All das führt zu einem Meinungskampf unter den Arbeitern und den werktätigen Massen der Bauernschaft, der in Versammlungen, in den Gewerkschaften, in den Genossenschaften, während der Wahlen zu den Sowjets usw. seinen legalen Ausdruck findet.

Aber zwischen dem Meinungskampf jetzt, unter den Verhältnissen der proletarischen Diktatur, und dem Meinungskampf in der Vergangenheit, vor der Oktoberrevolution, besteht ein grundlegender Unterschied. Damals, in der Vergangenheit, drehte sich der Meinungskampf unter den Arbeitern und werktätigen Bauern hauptsächlich um die Fragen des Sturzes der Gutsbesitzer, des Zarismus, der Bourgeoisie, um die Zerschlagung der bürgerlichen Ordnung. Jetzt, unter den Verhältnissen der Diktatur des Proletariats, geht der Meinungskampf nicht um die Fragen des Sturzes der Sowjetmacht, der Zerschlagung der Sowjetordnung, sondern um die Fragen der Verbesserung der Organe der Sowjetmacht, der Verbesserung ihrer Arbeit. Hier besteht ein grundlegender Unterschied.

Es kann nicht wundernehmen, dass in der Vergangenheit der Meinungskampf um die Frage der revolutionären Zerschlagung der bestehenden Ordnung ein Grund dafür war, dass mehrere miteinander konkurrierende Parteien innerhalb der Arbeiterklasse und der werktätigen Massen der Bauernschaft auftraten. Diese Parteien waren: die Partei der Bolschewiki, die Partei der Menschewiki, die Partei der Sozialrevolutionäre. Anderseits ist auch durchaus verständlich, dass jetzt, unter der Diktatur des Proletariats, der Meinungskampf, der nicht auf die Zerschlagung der bestehenden Sowjetordnung, sondern auf ihre Verbesserung und Festigung abzielt, keinen Nährboden für das Bestehen mehrerer Parteien unter den Arbeitern und den werktätigen Massen des Dorfes abgibt.

Das ist der Grund, warum die Legalität einer einzigen Partei, der Partei der Kommunisten, das Monopol dieser Partei, nicht nur auf keinen Widerspruch unter den Arbeitern und den werktätigen Bauern stößt, sondern im Gegenteil als etwas Notwendiges und Wünschenswertes erachtet wird.

Die Stellung unserer Partei als der einzigen legalen Partei im Lande (das Monopol der Kommunistischen Partei) ist nicht etwas Künstliches und eigens Ausgehecktes. Eine solche Stellung lässt sich nicht künstlich, durch administrative Maßnahmen usw. schaffen. Das Monopol unserer Partei hat sich aus dem Leben ergeben, hat sich historisch herausgebildet, als Ergebnis dessen, dass die Parteien der Sozialrevolutionäre und der Menschewiki endgültig Bankrott gemacht haben und bei uns von der Bildfläche verschwunden sind.

Was waren die Parteien der Sozialrevolutionäre und der Menschewiki in der Vergangenheit? Schrittmacher des bürgerlichen Einflusses auf das Proletariat. Wodurch wurde das Bestehen dieser Parteien vor dem Oktober 1917 begünstigt und unterstützt? Durch das Bestehen der Klasse der Bourgeois und schließlich durch das Bestehen der bürgerlichen Staatsmacht. Ist es etwa nicht klar, dass mit dem Sturz der Bourgeoisie die Grundlagen für das Bestehen dieser Parteien verschwinden mussten?

Was wurde aus diesen Parteien nach dem Oktober 1917? Sie wurden zu Parteien der Wiederherstellung des Kapitalismus und des Sturzes der Macht des Proletariats. Ist es etwa nicht klar, dass diese Parteien jeden. Boden und jeden Einfluss unter den Arbeitern und den werktätigen Schichten der Bauernschaft verlieren mussten?

Der Kampf zwischen der Partei der Kommunisten und den Parteien der Sozialrevolutionäre und der Menschewiki um den Einfluss auf die. Arbeiterklasse hatte nicht erst gestern begonnen. Der Beginn dieses Kampfes datiert von dem Zeitpunkt, als die ersten Anzeichen einer revolutionären Massenbewegung in Rußland, noch vor 1905, auftraten. Die Periode von 1903 bis Oktober 1917 war eine Periode erbitterten Meinungskampfes in der Arbeiterklasse unseres Landes, eine, Periode des Kampfes zwischen den Bolschewiki, den Menschewiki und den Sozialrevolutionären um den Einfluss in der Arbeiterklasse. In dieser Periode hat die Arbeiterklasse der UdSSR drei Revolutionen durchgemacht. Im Feuer dieser Revolutionen hat sie diese Parteien, ihre Tauglichkeit für die Sache der proletarischen Revolution, ihren proletarisch-revolutionären Geist erprobt und geprüft. Und in den Oktobertagen 1917, als die Geschichte das Fazit des ganzen revolutionären Kampfes der Vergangenheit zog, als auf der Waage der Geschichte die innerhalb der Arbeiterklasse ringenden Parteien gewogen wurden - da traf schließlich die Arbeiterklasse der UdSSR ihre endgültige Wahl und entschied sich für die Kommunistische Partei als die einzige proletarische Partei.

Wodurch ist die Tatsache zu erklären, dass die Wahl der Arbeiterklasse auf die Kommunistische Partei fiel? Ist es nicht eine Tatsache, dass die Bolschewiki im Petrograder Sowjet zum Beispiel im April 1917 eine unbedeutende Minderheit bildeten? Ist es nicht eine Tatsache, dass die Sozialrevolutionäre und die Menschewiki damals in den Sowjets eine gewaltige Mehrheit hatten? Ist es nicht eine Tatsache, dass sich bis zu den Oktobertagen der gesamte Machtapparat und alle Zwangsmittel in den Händen der Parteien der Sozialrevolutionäre und der Menschewiki befanden, die mit der Bourgeoisie einen Block bildeten?

Die Erklärung liegt darin, dass die Kommunistische Partei damals für die Beendigung des Krieges, für einen sofortigen demokratischen Frieden war, während die Parteien der Sozialrevolutionäre und der Menschewiki für den „Krieg bis zum siegreichen Ende“, für die Fortsetzung des imperialistischen Krieges eintraten.

Die Erklärung liegt darin, dass die Kommunistische Partei damals für den Sturz der Kerenskiregierung, für den Sturz der bürgerlichen Macht, für die Nationalisierung der Fabriken und Werke, der Banken und Eisenbahnen war, während die Parteien der Menschewiki und der Sozialrevolutionäre für die Kerenskiregierung kämpften und das Recht der Bourgeoisie auf die Fabriken und Werke, auf die Banken und Eisenbahnen verfochten.

Die Erklärung liegt darin, dass die Partei der Kommunisten damals für die sofortige Konfiskation der Ländereien der Gutsbesitzer zugunsten der Bauern war, während die Parteien der Sozialrevolutionäre und der Menschewiki diese Frage bis zur Konstituierenden Versammlung hinausschieben wollten, deren Einberufung sie wiederum auf unbestimmte Zeit hinauszuschieben suchten.

Ist es da verwunderlich, wenn die Wahl der Arbeiter und der armen Bauern schließlich zugunsten der Kommunistischen Partei ausfiel?

Ist es da verwunderlich, wenn die Parteien der Sozialrevolutionäre und der Menschewiki so schnell zugrunde gegangen sind?

Daher rührt das Monopol der Kommunistischen Partei, und das ist der Grund, warum die Kommunistische Partei zur Macht gelangt ist.

Die folgende Periode, die Periode nach dem Oktober 1917, die Periode des Bürgerkriegs, war die Periode des endgültigen Untergangs der Parteien der Menschewiki und der Sozialrevolutionäre, die Periode des endgültigen Triumphes der Partei der Bolschewiki. Die Menschewiki und die Sozialrevolutionäre selbst haben in jener Periode den Triumph der Kommunistischen Partei erleichtert. Nachdem die Parteien der Menschewiki und der Sozialrevolutionäre während der Oktoberumwälzung zerschlagen und hinweggefegt worden waren, begannen ihre Splitter sich an den konterrevolutionären Aufständen der Kulaken zu beteiligen, bildeten einen Block mit den Koltschak- und Denikinleuten, traten in den Dienst der Entente und bewirkten damit, dass sie in den Augen der Arbeiter und Bauern endgültig erledigt waren. Es ergab sich folgendes Bild: Die Sozialrevolutionäre und die Menschewiki, die sich aus bürgerlichen Revolutionären in bürgerliche Konterrevolutionäre verwandelt hatten, halfen der Entente, das neue Rußland, Sowjetrußland, zu würgen, während die Partei der Bolschewiki, die alles Lebendige und Revolutionäre um sich sammelte, immer neue und neue Scharen von Arbeitern und Bauern zum Kampf für das sozialistische Vaterland, zum Kampf gegen die Entente mobilisierte.

Es ist durchaus natürlich, dass der Sieg der Kommunisten in dieser Periode zur vollständigen Niederlage der Sozialrevolutionäre und der Menschewiki führen musste und auch wirklich geführt hat. Ist es da verwunderlich, wenn die Kommunistische Partei nach alledem zur einzigen Partei der Arbeiterklasse und der armen Bauernschaft geworden ist?

So ist bei uns das Monopol der Kommunistischen Partei als der einzig legalen Partei im Lande entstanden.

Sie sprechen von dem Meinungskampf unter den Arbeitern und Bauern jetzt, unter den Verhältnissen der proletarischen Diktatur. Ich habe bereits gesagt, dass es einen Meinungskampf gibt und geben wird, dass ohne ihn eine Vorwärtsbewegung unmöglich ist. Aber der Meinungskampf unter den Arbeitern geht bei den jetzigen Verhältnissen nicht um die prinzipielle Frage des Sturzes der Sowjetordnung, sondern um die praktischen Fragen der Verbesserung der Sowjets, der Berichtigung der Fehler der Sowjetorgane - also um die Festigung der Sowjetmacht. Es ist ganz klar, dass ein solcher Meinungskampf die Kommunistische Partei nur stärken und vervollkommnen kann. Es ist ganz klar, dass ein solcher Meinungskampf das Monopol der Kommunistischen Partei nur stärken kann. Es ist ganz klar, dass ein solcher Meinungskampf keinen Nährboden abgeben kann für die Bildung anderer Parteien im Schoße der Arbeiterklasse und der werktätigen Bauernschaft.

Fünfte Frage. Können Sie uns kurz die Hauptdifferenzen zwischen Ihnen und Trotzki darlegen?

Antwort. Ich muss vor allem sagen, dass die Differenzen mit Trotzki keine persönlichen Differenzen sind. Trügen diese Differenzen einen persönlichen Charakter, so würde sich die Partei damit keine einzige Stunde befassen, denn sie duldet es nicht, dass einzelne Personen sich in den Vordergrund drängen.

Es handelt sich offenbar um Meinungsverschiedenheiten in der Partei. So fasse ich diese Frage auf. Ja, diese Meinungsverschiedenheiten bestehen in der Partei. Über den Charakter dieser Meinungsverschiedenheiten haben Rykow in Moskau und Bucharin in Leningrad unlängst in ihren Referaten ziemlich ausführlich gesprochen. Diese Referate sind veröffentlicht worden. Zu dem, was in diesen Referaten über die Meinungsverschiedenheiten gesagt worden ist, habe ich nichts hinzuzufügen. Wenn Sie diese Dokumente nicht haben, so kann ich sie Ihnen besorgen.

(Die Delegation erklärt, dass sie diese Dokumente besitzt.)

Ein Delegierter. Man wird uns nach unserer Rückkehr über diese Meinungsverschiedenheiten fragen, aber wir besitzen nicht alle Dokumente. Wir besitzen zum Beispiel nicht die „Plattform der 83“.

Stalin. Ich habe diese „Plattform“ nicht unterschrieben. Ich habe kein Recht, über fremde Dokumente zu verfügen. (Heiterkeit.)

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