„Die Russen, die waren doch genauso wie die Wehrmacht, die haben doch auch gehaust wie die Vandalen, als sie bei uns einmarschiert sind.“ Solche und ähnliche Behauptungen hört man sehr oft. Gerade in jüngster Zeit ist diese - spezifisch deutsche - Verleumdung der Roten Armee in der westdeutschen Presse und in allen Massenmedien wieder sehr oft vorgekommen. Anlass war auch hier der vierzigste Jahrestag des Überfalls der Nazi-Wehrmacht auf Polen. Da wurde in der westdeutschen Presse mehr über die Rote Armee geschrieben als über die Wehrmacht.
Da werden Frauen interviewt, die auf der Flucht von Osten von Sowjetsoldaten misshandelt und vergewaltigt wurden, Männer wurden weil sie Waffen besaßen, erschossen, ja, sogar Kinder sollen verstümmelt worden sein.
Und selbstverständlich, das wird stets behauptet, geschah dies alles auf Anordnung von oben, durch das Oberkommando der Roten Armee, durch Stalin, versteht sich. Alles dies ist eine der unverschämtesten Lügen, die gegen die UdSSR vorgebracht wird. Denn diese Propaganda bedeutet den Versuch, die Bestialität des Oberfalls Nazi-Deutschlands auf andere Länder, und insbesondere auf die UdSSR, herabzuspielen, die unmenschlichen und zahllosen Verbrechen an der sozialistischen Sowjetunion zu einem sozusagen alltäglichen Kriegsereignis herabzuspielen, unter dem Motto „Ausschreitungen gibt es überall“.
Der Überfall der Nazis auf die Sowjetunion hat rund 20000000 Sowjetbürgern das Leben gekostet. Weitere mindestens 1200000 Sowjetbürger wurden zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt, wo Hunderttausende von ihnen „lebten“ wie Tiere, die anderen starben, nur 10 Prozent kehrten lebend zurück.
Das sind allgemein bekannte Tatsachen, die allerdings in letzter Zeit von interessierten Stellen verschwiegen werden.
Und auch der materielle Schaden, der dort angerichtet wurde, hinter dem sich unendliches menschliches Leiden verbirgt, wurde festgestellt.
Am 13. September 1945 legte die „Außerordentliche Staatliche Kommission der UdSSR zur Feststellung und Untersuchung der Greueltaten der deutschen Eindringlinge und ihrer Verbündeten auf dem Territorium der Sowjetunion“ einen abschließenden Bericht vor. Darin heißt es, Deutschland und seine Satelliten
„haben 1710 Städte und über 70000 Dörfer vollständig oder teilweise zerstört und eingeäschert, über 6 Millionen Gebäude niedergebrannt und zerstört und etwa 25 Millionen Menschen obdachlos gemacht.
Unter den zerstörten und am meisten in Mitleidenschaft gezogenen Städten befinden sich die größten Industrie- und Kulturzentren: Stalingrad, Sewastopol, Leningrad, Kiew, Rostow am Don und viele andere.
(...) haben 31850 Industriebetriebe zerstört, in denen etwa 4000000 Arbeiter beschäftigt waren; sie zerstörten oder verschleppten 239000 Elektromotoren, 175000 Werkzeugmaschinen.
Sie zerstörten 65 000 km Eisenbahngeleise, 4100 Eisenbahnstationen, 36000 Post-, Telegraphen- und Fernsprechämter sowie andere dazu gehörige Betriebe.
Sie zerstörten oder demolierten 40000 Krankenhäuser und andere Heilanstalten, 84000 Schulen, Techniken, Hochschulen, wissenschaftliche Forschungsinstitute, 43000 öffentliche Bibliotheken.
Sie verwüsteten und plünderten 98000 Kollektivwirtschaften, 1876 Sowjetwirtschaften und 2890 Maschinen- und Traktorenstationen; sie schlachteten, requirierten oder schafften nach Deutschland 7 Millionen Pferde, 17 Millionen Stück Rindvieh, 20 Millionen Schweine, 27 Millionen Schafe und Ziegen, 110 Millionen Stück Geflügel“[43].
Der gesamte materielle Schaden der UdSSR wurde auf die enorme Summe von 679000000000 (=679 Milliarden) Rubel berechnet.
Die Obdachlosen, die Verhungernden, die Gequälten und Geschlagenen, alles das läßt sich nicht in Zahlen ausdrücken.
Wer angesichts dieser furchtbaren Tatsachen ernsthaft behaupten will, die Rote Armee habe in Deutschland „genauso gehaust“ wie Wehrmacht, SS und Gestapo in der Sowjetunion, dem sei offen ins Gesicht gesagt: Lüge! Wenn so eine Behauptung auch nur entfernt stimmen würde, dann, das muss man sagen, so bitter es klingt, dann wäre von Deutschland nichts mehr übrig.
Und dieses erbarmungslose Treiben geschah auf Befehl der Obernazis aus Berlin, geschah auf Befehl des Oberkommandos der Wehrmacht.
Das war einmal die wahnwitzige Rückzugspolitik der „verbrannten Erde“. Das war aber Befehl von Beginn an. Am 20. November 1941 erließ der Feldmarschall von Manstein folgenden Befehl, der den ganzen faschistischen Ungeist dieser wilden Soldateska beweist:
„Das jüdisch-bolschewistische System muss ein für allemal ausgerottet werden. Nie wieder darf es in unseren europäischen Lebensraum eingreifen.
Der deutsche Soldat hat daher nicht allein die Aufgabe, die militärischen Machtmittel dieses Systems zu zerschlagen, er tritt auch als Träger einer völkischen Idee und Rächer für alte Grausamkeiten, die ihm und dem deutschen Volk zugefügt werden, auf (...) Die Ernährungslage der Heimat macht es erforderlich, dass sich die Truppe weitestgehend aus dem Lande ernährt und dass darüber hinaus möglichst große Bestände der Heimat zur Verfügung gestellt werden. Besonders in den feindlichen Städten wird ein großer Teil der Bevölkerung hungern müssen. Trotzdem darf es aus missverstandener Menschlichkeit nichts von dem, was die Heimat unter Entbehrungen abgibt, an Gefangene und Bevölkerung - soweit sie nicht im Dienst der deutschen Wehrmacht stehen - verteilt werden“[44].
Wer sich ehrlich erinnert, wird nicht vergessen können, dass es die Rote Armee war, die bei der Besatzung Ostdeutschlands neben den Kanonen auch immer Gulaschkanonen bei sich führte, um nach Möglichkeit die hungernde Bevölkerung aus Beständen der Sowjetunion zu ernähren. Noch deutlicher wird der faschistische Terrorgeist der Wehrmacht in einem weiteren, von Feldmarschall Keitel unterzeichneten Befehl vom 16. Dezember 1942. Das war der so genannte Partisanenbefehl Hitlers, ergangen zu einem Zeitpunkt als klar wurde, dass die Völker der Sowjetunion sich nicht ergeben hatten:
„Wenn dieser Kampf gegen die Banden sowohl Im Osten wie auch auf dem Balkan nicht mit den allerbrutalsten Mitteln geführt wird, so reichen In absehbarer Zeit die verfügbaren Kräfte nicht mehr aus, um dieser Post Herr zu worden. Die Truppe ist daher berechtigt und verpflichtet, in diesem Kampf ohne Einschränkung auch gegen Frauen und Kinder jedes Mittel anzuwenden, wenn es zum Erfolg führt. Rücksichten, gleich welcher Art, sind ein Verbrechen gegen das deutsche Volk.“[45]
Man erinnere sich nur daran, dass nach der Besetzung Ostdeutschlands durch die Armee der UdSSR dort so genannte Kampfgruppen des „Werwolfs“, faschistische Verbrechergruppierungen, ihr Unwesen trieben, die bis zum Jahre 1947 mordeten und raubten. Vor allem versuchten sie damit eine Bodenreform zuungunsten der Junker zu verhindern. Kein einziger Fall ist bekannt, und wurde bisher auch nicht einmal erlogen, dass die Rote Armee wegen faschistischer Terrorgruppen etwa ganze deutsche Dörfer niedergebrannt oder die Einwohnerschaft völlig liquidiert hätte. Fälle, die in der UdSSR in deutschem Namen sehr oft geschahen.
Wer den Charakter der Roten Armee als einer revolutionären, sozialistischen Armee auch nur entfernt versteht, kann darüber auch gar nicht überrascht sein, denn es war eben nicht ihr Ziel, das deutsche Volk zu terrorisieren, sondern die deutschen Nazis zu schlagen. Und das tat sie auch. Vom Oberkommando der Roten Armee kamen an die Truppe Befehle, die zeigen, wie anders diese Armee war als die deutsche Nazi-Wehrmacht.
Belege sind dafür ein Befehl des Generalissimus Stalin selbst anlässlich des Überschreitens der eigenen Landesgrenzen durch die Rote Armee(A) und - unter vielen anderen - auch ein Artikel der „Prawda“ vom 9. Februar 1945(B).
(A) “Offiziere und Rotarmisten aller Truppen! Wir gehen jetzt in feindliches Land. Von jedem wird Selbstbeherrschung verlangt, jeder hat tapfer zu sein, wie es einem Kämpfer der Roten Armee gebührt. Die auf von uns besetztem Gebiet zurückgebliebene Bevölkerung, unabhängig davon, ob es Deutsche, Tschechen oder Polen sind, soll nicht belästigt und beleidigt werden, denn die Schuldigen werden nach Kriegsgesetzen bestraft. Im besetzten Feindgebiet darf kein intimer Verkehr mit Frauen stattfinden. Für Misshandlungen und Vergewaltigungen werden die Schuldigen erschossen.“[46]
(B) „Auge um Auge, Zahn um Zahn ist ein alter Spruch. Aber man muss ihn nicht wörtlich nehmen. Wenn die Deutschen marodierten und unsere Frauen schändeten, heißt das nicht, dass wir dasselbe tun müssen. Es war niemals so und wird niemals so sein. Unsere Soldaten werden nicht zulassen, dass so etwas geschieht, nicht aus Mitleid mit dem Feind, sondern aus dem Gefühl für ihre persönliche Würde.“[47]
Das war die Fortsetzung jener Politik, mit der die UdSSR unter Stalins Führung in den Krieg eingetreten war. Am 3. Juli 1941, in seiner ersten Rundfunkansprache nach dem deutschen Überfall sagte J.W. Stalin:
„Dieser Vaterländische Volkskrieg gegen die faschistischen Unterdrücker hat nicht nur das Ziel, die über unser Land heraufgezogene Gefahr zu beseitigen, sondern auch allen Völkern Europas zu helfen, die unter dem Joch des deutschen Faschismus stöhnen. In diesem Befreiungskrieg werden wir nicht alleine dastehen. In diesem Krieg werden wir treue Verbündete an den Völkern Europas und Amerikas haben, darunter auch am deutschen Volk, das von den faschistischen Machthabern versklavt ist.“
Am 23. Februar 1942 verlangte J.W. Stalin in seinem Tagesbefehl anlässlich des 24. Jahrestages der Gründung der Roten Armee folgende Haltung:
„Es wäre lächerlich, die Hitlerclique mit dem deutschen Volk, mit dem deutschen Staate gleichzusetzen. Die Erfahrungen der Geschichte sagen, dass die Hitler kommen und gehen, aber das deutsche Volk, der deutsche Staat bleibt.“[49]
A. Werth führt schließlich in seinem Buch auch die Rede W.M. Molotows vom Tage des deutschen Überfalls an:
„(...)Dieser Krieg ist nicht ein Krieg, der vom deutschen Volk geführt wird, von den deutschen Arbeitern, Bauern und Intellektuellen, über deren Leiden wir voll informiert sind; (...)“[50]
Aber es ist ohne Zweifel so, dass es trotzdem Übergriffe und Ausschreitungen gab.
Ihren ganzen Umfang kann man an den vier Zeilen sehen, die A. Werth in seinem 700 Seiten starken Buch „Rußland im Krieg“ diesen Vorfällen widmet.
„Im ersten Rausch brannten die russischen Soldaten zahlreiche Häuser nieder, ja, manchmal ganze Städte nieder - nur, weil es deutsche Städte waren. Es wurde geplündert, geraubt und vergewaltigt. Gerade in dieser Beziehung kam es ziemlich häufig zu Scheußlichkeiten.“[51]
Werth, der trotz seines Antikommunismus ehrlich ist, beschreibt aber auch die Beweggründe für einen Sowjetsoldaten, so etwas zu tun.
„Nahezu jede befreite Stadt, jede befreite Ortschaft in Rußland, Weißrußland oder der Ukraine hatte eine furchtbare Geschichte zu erzählen. (...)
In allen Städten war die Gestapo am Werk gewesen und hatte erschossen und gehängt. Die Einsatzkommandos und andere Verbände hatten keinen Augenblick nachgelassen in ihrem Eifer, Partisanen und deren angebliche Komplizen zu liquidieren, oft ganze Ortschaften mit Frauen und Kindern. In Hunderten von Städten waren die Juden systematisch umgebracht worden. In Kiew beispielsweise töteten die Deutschen Zehntausende von Juden in einem Graben außerhalb der Stadt, der Babij Jar hieß.
Aber auch jede andere ukrainische und weißrussische Stadt hatte von Gräueln zu berichten. Als die Rote Armee nach Westen vorrückte, hörte sie täglich diese Geschichte des Terrors, der Erniedrigungen und der Verschleppungen. Sie erlebte die zerstörten Städte, sah die Massengräber mit ermordeten oder verhungerten russischen Kriegsgefangenen, sah Babij Jar mit seinen zahllosen Männer-, Frauen- und Kinderleichen. So lernten die russischen Soldaten die Wahrheit über das nationalsozialistische Deutschland kennen, mit seinem Hitler und seinem Himmler, seiner Theorie vom Untermenschen und seinem unbeschreiblichen Sadismus.
Was Alexej Tolstoj und Scholochow und Ehrenburg über die Deutschen geschrieben hatten, war nichts im Vergleich zu dem, was die russischen Soldaten mit ihren eigenen Ohren hören, mit ihren eigenen Augen sehen - und mit ihrer eigenen Nase riechen konnten.
Denn wo immer auch die Deutschen gewesen waren, hing der Geruch verwesender Leichen in der Luft. Babij Jar aber war ein Kinderspiel gemessen an Majdanek, dem Vernichtungslager bei Lublin, das die Russen im August 1944 besetzten. In Majdanek waren innerhalb von wenigen Jahren eineinhalb Millionen Menschen umgebracht worden. Mit dem Geruch Majdaneks in den Nasen erkämpften sich Tausende russischer Soldaten ihren Weg nach Ostpreußen. Es gab den gewöhnlichen Fritz des Jahres 1944, und es gab Tausende von Himmlers Berufsmördern - aber konnte man zwischen ihnen eine klare Trennungslinie ziehen? Hatte nicht der gewöhnliche Fritz ebenfalls an der Liquidierung der Partisanendörfer teilgenommen? Und billigte der gewöhnliche Fritz nicht das, was seine Kollegen von der SS und der Gestapo taten? Hier bestand ein psychologisches und politisches Problem, das der Sowjetregierung und dem Kommando der Roten Armee besonders 1944 und 1945 beträchtliche Sorgen bereitete.[52]
Die Partei und Sowjetführung aber ließen es nicht bei Aufrufen und Aufklärungsarbeit in den Reihen der Soldaten. Wo dies nichts nutzte, wo Verstöße gegen menschliche Normen und Gesetze der Kriegsführung der Roten Armee vorkamen, wurde mit strengen Befehlen und Bestrafungen vorgegangen. Während also die faschistischen Kommandeure ihre Soldaten zum Terror trieben, ihn befahlen, schritten die Kommandeure der Roten Armee bei Ausschreitungen ein.
Es gab für Vergewaltiger und Plünderer standrechtliche Erschießungen. Militärangehörige mit geringeren Vergehen wurden entweder degradiert oder in Strafbataillone versetzt.
Während Hitler die Gestapo, diese faschistische Mordorganisation, In die UdSSR schickte, um des sowjetische Volk zu terrorisieren, zu brandschatzen und zu quälen, schickte Stalin den sozialistischen Sicherheitsdienst, den NKWD, In die besetzten Gebiete, um Ausschreitungen der eigenen Truppe zu verhindern.
Selbst der „Spiegel“ berichtet, dass
„Rußlands gefürchtetes Innenministerium, das NKWD, Sondereinheiten entsandte, die mit den Schuldigen hart umgingen, wo sie gefasst wurden. Auch Gerichtsoffiziere wurden verstärkt eingesetzt. Sobald sie ihre Tätigkeit beginnen, wird nicht mehr gestohlen und geraubt, denn die schweren Strafen wirken abschreckend.[53]
„Die Oberbefehlshaber der Roten Armee, die Marschälle Rokossowski, Konew, Schukow oder Sokolowskij schritten energisch gegen Übergriffe ein, zum Schutz der deutschen Bevölkerung.
‚Marschall Rokossowski befahl seiner 2. Belorussischen Heeresgruppe am 22. Januar, diese für die Rote Armee schändlichen Erscheinungen mit glühendem Eisen auszumerzen.’ Rokossowski:
‚Ich verlange in kürzester Frist eine musterhafte Ordnung und eiserne Disziplin in allen Einheiten.’
Auch Marschall Konew von der 1. Ukrainischen Heeresgruppe ordnete am 27. Januar Sofortmaßnahmen gegen Brandstiftungen und sinnlose Zerstörungen des vom Feinde zurückgelassenen Eigentums’ an. Der Streifendienst der Armeen wurde verstärkt. Plünderungen und Vergewaltigungen erneut unter Todesstrafe gestellt. (...)
Die Militärstaatsanwälte erhielten Order, mit ihren Untersuchungsrichtern zu jeder Tages- und Nachtzeit überraschende Besuche in Militärquartieren zu unternehmen. Oberstleutnant der Justiz, Maljarow, ermahnte die Militärstaatsanwälte der 48. Armee: Gegen die Erschießungen von Kriegsgefangenen ist entschieden vorzugehen.“[54]
Solches Vorgehen der Führung der Roten Armee kann kein ernsthafter Wissenschaftler bestreiten. Nicht einmal der „Spiegel“ bestreitet dies, auch wenn er zu diesem Zugeständnis das verlangte antikommunistische Trommelfeuer dazuliefert.
Die Ausschreitungen verschiedener Angehöriger der Roten Armee - gegen die Befehle der eigenen Oberkommandierenden - wurden also bestraft und abgestellt; ganz im Gegensatz zur Wehrmacht, wo die vieltausendmal schlimmeren, systematischen, geplanten, befohlenen Terrorakte mit Orden ausgezeichnet wurden.
Solche Ausschreitungen waren, nach Erlebnissen einzelner Soldaten, nahe liegend, deshalb die große und schnelle Vorsicht des Kommandos der Roten Armee.
Provoziert wurden solche Verfehlungen noch durch die faschistischen Durchhalteparolen, die Wehrmacht, SS und selbst den Volkssturm zum sinnlosen Widerstand und zur Vernichtung der „von England aus den Steppen Asiens heran geholten Horden“, zum Kampf bis zum bitteren Ende aufriefen.
Mit Horrormeldungen über sowjetische Gräueltaten wurden deutsche Soldaten und Zivilisten, besonders kurz vor der Kapitulation, aufgehetzt und in Angst und Schrecken versetzt, um zu Wahnsinnstaten bereit zu sein.
Über die regelrechte Panik, die bei den Deutschen ausbrach, berichtet Werth:
„Die Furcht vor den Russen war so groß, dass in und um Danzig sogar zahlreiche Zivilisten Selbstmord begingen. Ich sah später ein deutsches Flugblatt, das während der letzten Tage des Kampfes um Danzig gedruckt worden war, es rief zum Widerstand bis zum Letzten auf und berichtete von angeblichen Grausamkeiten, die Russen begangen hatten. Eine große deutsche Offensive wurde angekündigt.“[55]
Aber es gab doch auch, mag jetzt manch einer einwenden, in der sowjetischen Presse Artikel, die regelrecht zum Deutschenhass aufriefen, die Ausrottung der Deutschen verlangten.
Nun, es gab in der sowjetischen Presse einige wenige solcher Artikel. Und sie stammten alle von einem Autor.
In den Passagen dieser Artikel konnte man auch regelrechte Ausfälle gegen die Deutschen im Allgemeinen lesen.
„Die Deutschen haben keine Seele. Ein englischer Politiker hat gesagt, die Deutschen seien unsere Brüder. Nein! Es ist eine Blasphemie, wenn man diese Kindermörder zu der großen Völkerfamilie rechnet (...)
Wir vergessen nichts. Wenn wir durch Pommern ziehen, haben wir das verwüstete, blutgetränkte Weißrussland vor Augen (...) Manche sagen, die Deutschen vom Rhein seien anders als die Deutschen an der Oder. Ich weiß nicht, warum wir so feine Unterschiede machen sollten. Ein Deutscher ist überall ein Deutscher. Die Deutschen wurden bestraft, aber nicht genug. Immer noch sind sie in Berlin. Der Führer steht noch, anstatt dass er hängt. Der Fritz läuft noch, anstatt dass er tot am Boden liegt. Wer kann uns aufhalten? General Model?
Die Oder? Der Volkssturm?
Nein, Deutschland, es ist zu spät, Du kannst Dich drehen und wenden und in Deinem Todeskampf. brüllen: die Stunde der Rache hat geschlagen.“[56]
Das allerdings steht in ganz eklatantem Widerspruch zu allem, was die Sowjetführung, was die bolschewistische Partei, was J.W. Stalin die Sowjetmenschen gelehrt hatte.
Das sind auch Passagen, die in jeder deutschen Darstellung, die die Ereignisse von damals entschuldigen oder verdrehen will, genüsslich zitiert werden.
Am 14. April 1945 wird in der „Prawda“ ein Artikel veröffentlicht, in dem der Autor dieser rassistischen Tiraden scharf kritisiert wird.
Dort wird gesagt, dass solche Äußerungen dem Marxismus völlig fremd sind und eine totale Entstellung der Stalinschen Friedenspolitik darstellen.
Aber der Autor wurde nicht nur öffentlich gerügt. Er durfte seine Berichterstattung nicht fortsetzen, wurde von seinem Posten entbunden.
Der Autor. Seinen Namen haben wir deshalb noch nicht genannt, weil er nicht irgendwer war.
Der Autor war Ilja Ehrenburg. Derselbe Ehrenburg, der in der Zeit nach Stalins Tod ein Vorbeter des Chors über den angeblichen stalinistischen Terror war. Dieser selbsternannte große Demokrat wurde von der KPdSU(B) völlig zu Recht und jedem verständlich wegen seiner rassistischen Tiraden kritisiert und abgesetzt. Das machte ihn im Nachhinein zum Märtyrer!
Zu einem so genannten Märtyrer, der auch von der westdeutschen Propaganda verbreitet wird - als Zeuge gegen Stalin. Ein passender Zeuge! In seinen Memoiren beklagte er sich darüber, dass seine Absetzung auf direkte Weisung J.W. Stalins erfolgte. Ein unfreiwilliges, weiteres Zeugnis der korrekten internationalistischen Haltung Stalins.[57]
Dieser Art sind aber viele der so genannten Kronzeugen, den die heutigen Herrscher der UdSSR und die westlichen Kapitalisten gegen Stalin und die Bolschewiki anführen.
Mögen solche Elemente darüber jammern, dass ihre Politik damals keine Chance hatte, sich in der UdSSR durchzusetzen. Tatsache bleibt, dass die Partei und die Armee weiterhin die marxistisch-leninistische Linie verfolgte, wie sie J.W. Stalin schon zu Beginn des Krieges bezeichnete.
In der ausländischen Presse wird manchmal darüber geschwätzt, dass die Sowjetmenschen die Deutschen als Deutsche hassten, dass die Rote Armee die deutschen Soldaten oben als Deutsche, aus Hass gegen alles Deutsche, vernichte, dass die Rote Armee darum deutsche Soldaten nicht gefangen nehme. Das ist natürlich ebenfalls eine dumme Lüge und eine törichte Verleumdung der Roten Armee. Die Rote Armee ist vom Gefühl des Rassenhasses frei. Sie ist frei von solch einem unwürdigen Gefühl, weil sie im Geist der Gleichberechtigung der Rassen und der Achtung der Rechte anderer Völker erzogen Ist. Man darf außerdem nicht vergessen, dass in unserem Lande jede Äußerung von Rassenhass gesetzlich bestraft wird.
Gewiss ist die Rote Armee vor die Notwendigkeit gestellt, die faschistischen deutschen Okkupanten zu vernichten, da sie unsere Heimat unterjochen wollen, oder wenn sie - eingekesselt von unseren Truppen - sich weigern, die Waffen zu strecken und sich gefangen zu geben. Die Rote Armee vernichtet sie, nicht weil sie deutscher Abstammung sind, sondern weil sie unsere Heimat unterjochen wollen.[58]